Apicultural Review Letters
(Kritische Apikulturbriefe)
 

136. Brief
16. Mai 2007


 

Ehrliche Biotech-Lobbyisten

Das von Annette Schavan und Christian Schwägerl so gefeierte Innovationspotential der grünen und roten Biotechnologie: die sogenannte Impfbanane, deren Verzehr gegen alle möglichen Krankheiten immunisieren sollte ist längst wegen unkalkulierbarer Risiken aus dem Verkehr gezogen - obwohl sie in dem einen oder anderen Supermarkt vielleicht noch „versehentlich" zu finden ist; zumindest unter den nicht ökologisch angebauten Bananen. Künstliche Eier, die in China in Handarbeit in riesigen Mengen produziert werden. So Mancher kann sogar noch ehrlich sein, wenn er zuvor (falls nötig) seinen Weitblick auf den Tellerrand beschränkt, das Denkvermögen gedrosselt und eine gesunde Logik ausgeschaltet hat. Dann lassen sich auch Aussagen über die genmodifizierte Kartoffel und andere Absurda von BASF-Chef Jürgen Hamprecht oder Kardinal Karl Lehmann erklären.

Nicht nur weil die meisten gentechnisch veränderten Pflanzen eine schädliche Auswirkung auf Insekten und damit Bienen haben, sondern auch einfach weil gentechnisch veränderter Pollen im Honig nichts zu suchen hat, haben Imker gute Chancen vor Gericht einen umfassenden Schutz von Honig gegen den Pollen genveränderter Pflanzen zu erreichen.

Bis auf den Deutschen Imkerbund (DIB), das heißt den „ehrlichen" Präsidenten des DIB, Anton Reck (db 5/07), sind alle Imkervereine gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Der Anbau von genverändertem Mais (Bt-Mais der Sorte Mon810) wurde bereits erfolgreich gestoppt. Leider gibt es aber noch weitere Gentechnisch veränderte Pflanzen, deren Anbau aus Sicherheitsgründen gestoppt werden muß: GV-Raps, GV-Weizen, GV-Kartoffeln, GV-Erbsen vor allem in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg.

Dieter Falkenburg, Geschäftsführer der in Gatersleben ansässigen Biotech-Firma Novoplant, der zusammen mit seiner Crew wochenlang auf die Genehmigung für den Anbau genveränderter Erbsen gewartet hatte, kann nun großflächig anbauen - dank des großzügigen und zulassungsfreudigen Bundesamtes für Verbraucherschutz (BLV).

Es ist klar, daß Leute wie Her Falkenburg die Gefahren, die von genmanipulierten Pflanzen und Tieren ausgehen, für „weit übertrieben" halten. Die Manipulation der Erbse bestehe doch bloß aus einem „ins Erbsengenom geschleusten Gen, das die Bauanleitung für einen Teil eines Antikörpers der Maus enthält ... Antikörper sind harmlose Proteine. Lediglich ein gewisses Allergierisiko lässt sich nicht ganz ausschließen" (FAS 2007/Nr. 17, p. 68). - Außerdem müsse ohnehin jeder irgendwann einmal das Zeitliche segnen.

So sieht es eben aus, das von Annette Schavan und Christian Schwägerl so gefeierte Innovationspotential der grünen und roten Biotechnologie: die sogenannte „Impfbanane, deren Verzehr gegen alle möglichen Krankheiten immunisieren sollte" (ibd.) ist längst wegen unkalkulierbarer Risiken aus dem Verkehr gezogen - obwohl sie in dem einen oder anderen Supermarkt (wie wir das von dem Genreis schon kennen) vielleicht noch „versehentlich" zu finden ist; zumindest unter den nicht ökologisch angebauten Bananen.

GV-Raps, GV-Weizen, GV-Erbsen, GV-Kartoffeln wurden von ehrlichen Leuten erfunden; sie mögen in gewisser Weise einfältig sein, aber ehrlich sind sie. Wenn ein Ei äußerlich wie ein Ei aussieht und man es zudem noch in die Pfanne hauen und braten kann, so können sie dieses Konstrukt ganz ehrlich als Ei ansprechen - auch wenn es sich in Wirklichkeit um „künstliche Eier, die in China in Handarbeit in riesigen Mengen produziert werden" (FAS 2007/Nr. 18, p. 37) handelt.

Der Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer: „Das ist ein Thema in Asien, weil die Ware inzwischen auch auf den Märkten der Nachbarländer auftaucht. Die Technik ist alt, wurde in Amerika schon vor hundert Jahren praktiziert: Man nehme Farbstoff, Hydrokolloide, Gips, Wasser usw. In Wochenendseminaren lernen Sie, wie man die Mixturen richtig ansetzt und in Förmchen gießt. Die Rohstoffe sind billiger als Hühnerfutter , die Arbeitskraft kostet so gut wie nichts" (ibd.). Aber in Deutschland gibt es doch so etwas nicht, oder? Herr Pollmer: „Was glauben Sie, wie viel Tonnen Eipulver wir aus China importieren und weiterverarbeiten?" (ibd.)

Als besonders ehrliche Menschen gelten auch BASF-Chef Jürgen Hamprecht und Kardinal Karl Lehmann - beide stammen ja bekanntlich aus der schwäbischen Alb. Im Sinne der "Eier-Logik und -Ehrlichkeit" sagt Kardinal Lehmann: „Der Schöpfungsauftrag ist doppelt: Wir sollen den Garten Gottes bebauen und bewahren. Bebauen heißt auch verändern ... Von mir hören Sie kein grundsätzliches Veto gegen die Gentechnik" (FAS 2007/Nr. 19, p. 27). Jürgen Hamprecht sagt als ehrlicher Reutlinger: „Von unserer genmodifizierten Kartoffel geht auch keine Gefahr aus" (ibd.) Wie ein Ei dem Anderen gleicht, so gleicht eine Kartoffel der Anderen. "Ehrlich" gesagt, welche Gefahren oder Umweltrisiken sollen denn schon auftreten, wenn die GV-Erzeugnisse außerlich wie die Natürlichen aussehen?

So Mancher kann sogar noch ehrlich sein, wenn er zuvor (falls nötig) seinen Weitblick auf den Tellerrand beschränkt, das Denkvermögen gedrosselt und eine gesunde Logik ausgeschaltet hat. Dann lassen sich auch Aussagen wie diese von Herrn Hamprecht erklären: „Außerdem gibt es keinen einzigen Beweis dafür, daß gentechnisch verbesserte Pflanzen den Menschen schädigen. Im Gegenteil: Mit der grünen Gentechnik haben wir einen Ausweg aus einem absehbaren Dilemma: Im Jahr 2050 werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben und brauchen mehr Platz zum Leben, mehr Ernährung und mehr nachwachsende Rohstoffe - alles auf der gleichen Fläche wie heute. Das geht nur mit der Pflanzenbiotechnologie, die die Ernteerträge um über 20 Prozent steigern kann" (ibd.)

Sicher, wenn Herr Hamprecht die Fakten der grünen Biotechnologie einmal ausklammert und sich darauf beschränkt, seine Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu fällen, dann läßt sich natürlich gut und „ehrlich" schwadronieren!
 
 

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